In naher Zukunft könnte die Stadt Neumarkt eine seriöse und ehrenvolle Gedenkfeier ihrer Gründung mit einem ebenso ehrenvollen Datum feiern. Nach dem Todesjahr 1137 des Gründers Kaiser Lothar III. – und damit dem jüngstmöglichen Zeitpunkt der Stadtgründung in seiner Regierungszeit – wäre das Jahr 2037 der logische Zeitpunkt für eine 900 Jahr-Feier, die auch auf einem feierlichen Datum basiert, was Jahrhunderte lang auf der Basis der Pfinzingkarte von 1594 unbestritten war. Aber das Stadtarchiv bevorzugt lieber das Jahr 1160 oder alternativ und noch schlimmer für eine Wiederholung der 800 Jahr-Feier das Jahr 2035 und steckt tief im Behördendschungel. Den gilt es zu lüften.
Zum Thema:Mein Vorschlag, das Jahr 2037 weiter für eine 900-Jahr-Feier der Stadtgründung von Neumarkt zu nutzen, stößt im Stadtarchiv Neumarkt nicht nur auf taube Ohren, sondern scheint die Verantwortlichen auch noch zu amüsieren. Weshalb ich hier die Umstände sachlich darstellen und aufklären möchte:
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es Bestrebungen, die eigene heimatliche Geschichte überhaupt zu feiern und nach 1945 wurde es zu einer Mode, und damit zu einem Politikum und zu einem Streitpunkt ... auch in Neumarkt und dort natürlich auch wieder besonders.
Von Neumarkt ist seit 1594 nur durch die Pfinzingkarte Schultheißenamt Neumarkt

und der darauf befindlichen Legende

bekannt, dass die Stadt von Kaiser Lothar. zur Reichsstadt erhoben wurde – weshalb die Stadt bis heute auch stolz das Wappen des Reiches, den Reichsadler, trägt. Es ist jedoch unklar, wann dies geschah, da auf der Karte kein Gründungsdatum angegeben ist. Es existiert auch, wie bei vielen anderen Städten, keine originale Gründungsurkunde mehr. Dieser Umstand wurde auch von den Neumarkter Nachkriegsgeschichtsschreibern Ried und Romstöck so weitergegeben. Seitdem wurde auch darüber gestritten, welcher Lothar denn gemeint sein könnte, denn es gibt drei davon .... denn die Historiker hätten Neumarkt wegen eines vermuteten höheren Renommees lieber in die Reihe der Orte eingereiht, die schon vor Karl dem Großen existiert haben, wie zb Mühlhausen oder Lauterhofen im Jahr 725. ... Weil vernünftige Historiker wissen, dass nur eine Gründung nach der Eroberung von Nürnberg 1005 infrage kommt, wurde einvernehmlich Kaiser Lothar III (+1137) als Verantwortlicher eingeräumt.
Nach dem Krieg hat das Neumarkter Stadtarchiv diesen überlieferten Umstand jedoch infrage gestellt. Außerdem lag die Pfinzingkarte im nürnberger Stadtarchivkeller und sehr wohl möglich hat sich auch niemand in Neumarkt für sie interessiert. Weil hunderte von Orten plötzlich historische Jubiläen feierten, hat das Stadtarchiv Neumarkt auch seine Urkunden sortiert und eine urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1160, auf der das Wort Neumarkt steht, herausgesucht, als ältestes nachweisbares Dokument identifiziert und dieses Datum unnötigerweise einfach als Gründungsdatum der Stadt festgelegt, womit die Stadt dann auch 1960 erstmals eine 800 Jahr Feier veranstalten konnte.

Die Historikerin im Stadtarchiv, Frau Stefanie Radschinsky, M. A., erkennt diese Karte auch nicht an, da sie behauptet, es handle sich dabei - nicht - um ein Dokument.
Deshalb findet sich im Internet gleichzeitig auch dieser Eintrag.

Dazu erkennt sie auch die obige Urkunde von 1160 nicht an, weil die Moderne Geschichtswissenschaft glaubt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es sich darin nicht um Neumarkt Opf, sondern um ein anderes Neumarkt im Osten handelt, größer ist, was bedeutet: Die Stadt Neumarkt würde erneut nur eine 800-Jahr-Feier im Jahr 2035 abhalten, weil es aus dem Jahr 1235 ein kaiserliches Pergament mit vielen Siegeln gibt, in dem die Stadtrechte zum x-ten mal bestätigt werden und das nun tatsächlich - eine Urkunde - ist.
Eine ernsthafte, öffentliche Diskussion lässt das Stadtarchiv über die bisherige Vorgehensweise nicht zu. Auf Facebook wurde die Fälschungsvariante bereits verbreitet. Folgende E-Mail mit der Urkunden-Dokumenten-Argumentation erhielt ich auf meine Anfrage hin:

Ministerpräsident Markus Söder scheint dies nicht zu unterstützen, sonst hätte er 2025 in Lauterhofen nicht die Festrede zur 1300 Jahr Feier gehalten.... wo es ebenfalls keine Gründungsurkunde gibt, ein Historiker ebenfalls erst im Jahr 1543 eine unbewiesene Behauptung aufstellte, dass es Lauterhofen bereits im Jahr 725 gab ... obwohl zu aller Freude sogar 2006 bereits eine 1200 Jahr Feier abgehalten wurde.
Man nutzte einfach 1960 zum ersten Mal das Datum 1160 ..... ohne ... wissenschaftliche Absicherung.
und dann im Jahr 2010 zur 850 Jahr Feier nochmal!
Die gleiche Konstellation könnte Neumarkt nun ebenfalls drohen ...... 2035 eine 800 Jahr-Feier und 2037 eine 900-Jahr-Feier ... oder vielleicht doch wieder 2060 eine 900 Jahr-Feier ??